Zu wenig Frauen in Spitzenpositionen
Obwohl Frauen in der Humanmedizin seit Jahren die Mehrheit der Absolventinnen stellen und im ärztlichen Beruf inzwischen knapp 50 Prozent Ärztinnen tätig sind, spiegelt sich dieses kaum in den Spitzenpositionen und der Forschung wider. Anlässlich des Internationalen Tags der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft am 11. Februar fordert die Ärztekammer Bremen, Strukturen für einen gleichberechtigten Zugang zur Wissenschaft zu schaffen und zu verbessern.
„Die Gleichverteilung der Geschlechter geht umso mehr verloren, je höher die Hierarchieebene ist“, sagt Christina Hillebrecht, die Präsidentin der Ärztekammer. „In Führungspositionen, in der Forschung und in den Gremien der ärztlichen Selbstverwaltung sind Ärztinnen noch immer unterrepräsentiert.“ Die Ärztekammer Bremen bildet da zwar eine Ausnahme: Der fünfköpfige Vorstand besteht aus vier Frauen und einem Mann. Auch in den Gremien der Kammer engagieren sich viele Frauen. „Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Frauen strukturell benachteiligt bleiben“, so Hillebrecht.
Wissenschaft in der Medizin ist in Deutschland oft nebenberuflich in der Freizeit zu absolvieren. Dies erschwert es den Frauen, ihre Karriere in der gleichen Zeit voranzutreiben wie die Männer. „Es geht darum, Frauen den Zugang zur Wissenschaft zu erleichtern und die Bedingungen so zu gestalten, dass sie dort bleiben und erfolgreich sein können. Gleichstellung in der Arbeit entsteht nicht von selbst – sie muss aktiv gestaltet werden“, sagt Christina Hillebrecht.
Die größte Hürde ist die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. So würden Schwangere trotz des geltenden Mutterschaftsgesetzes in ein Berufsverbot geschickt, obwohl Positivlisten der Fachverbände Tätigkeiten benennen, die Ärztinnen in Schwangerschaft und Stillzeit problemlos ausführen können. „Das behindert die Weiterbildung und Karriere der Ärztinnen nachhaltig“, so Christina Hillebrecht. „Facharztprüfungen müssen nach hinten verschoben werden, für eine akademische Karriere fehlen die Veröffentlichungen. Die Männer ziehen vorbei – diese Lücke können die Frauen dann kaum mehr schließen.“
Auch die hohe Arbeitsbelastung erweist sich oft als Karrierebremse vor allem für die Frauen. „Eine Vollzeitstelle bedeutet für Ärztinnen und Ärzte oft 40 Stunden plus Wochenende plus X“, sagt Christina Hillebrecht. „Mit einer besser planbaren Arbeitszeit könnte man junge Ärztinnen und Ärzte leichter in der Versorgung und der Forschung halten.“

