Bedarfe von Frauen in den Fokus rücken
Anlässlich des Internationalen Tages der Frauengesundheit am 28. Mai weist die Ärztekammer Bremen auf die Bedeutung einer geschlechtersensiblen Gesundheitsversorgung hin. Trotz erheblicher Fortschritte in Medizin und Forschung bestehen weiterhin Unterschiede in Diagnostik, Prävention und Therapie, die Frauen in besonderer Weise betreffen. „Frauengesundheit umfasst weit mehr als gynäkologische Vorsorge oder Schwangerschaftsmedizin. Viele Erkrankungen zeigen bei Frauen andere Symptome, nehmen andere Verläufe oder erfordern angepasste Therapien. Dieses Wissen muss konsequent in Forschung, Lehre und Versorgung Eingang finden“, sagt Christina Hillebrecht, die Präsidentin der Ärztekammer Bremen.
Lange Zeit orientierten sich medizinische Forschung und klinische Studien überwiegend am männlichen Körper. Die daraus entstandenen Datenlücken wirken bis heute nach. So werden beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen häufig später erkannt, weil Symptome anders ausgeprägt sind als bei Männern. Auch Erkrankungen wie Endometriose, Osteoporose, Autoimmunerkrankungen oder psychische Belastungen von Frauen stehen noch zu wenig im Fokus bei Diagnostik und Versorgung.
Christina Hillebrecht sieht in der geschlechtersensiblen Medizin auch einen wichtigen Ansatz, um die Qualität der Gesundheitsversorgung insgesamt weiter zu verbessern: „Es geht nicht nur um biologische Unterschiede, sondern auch um soziale und gesellschaftliche Faktoren, die die Gesundheit beeinflussen.“ So übernähmen Frauen nach wie vor einen großen Teil der familiären Sorge- und Pflegearbeit und sind dadurch besonderen gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt.
„Eine moderne Medizin muss die unterschiedlichen gesundheitlichen Bedürfnisse von Frauen und Männern gleichermaßen berücksichtigen. Das ist das Qualitätsmerkmal einer zukunftsfähigen Gesundheitsversorgung“, so Christina Hillebrecht. „Es geht darum, Prävention und Früherkennung gezielt auszubauen, die öffentliche Aufklärung über frauenspezifische Gesundheitsrisiken zu stärken sowie die Versorgung von Frauen in allen Lebensphasen weiter zu verbessern.“
Der Internationale Aktionstag für Frauengesundheit wird seit 1987 weltweit begangen. Zahlreiche Organisationen machen jährlich am 28. Mai auf die Bedeutung einer gerechten und qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung aufmerksam.

